Webdesign: Maßgeschneidert vs. Templates

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Design-Templates sind eine schöne Sache. Speziell für Blogs. Sie ermöglichen auch weniger Design-Versierten mit wenig Aufwand eine sauber gestaltete Webseite oder einen Blog zu betreiben. Insofern ist es auch keine schlechte Entwicklung, dass im Web immer mehr auf gut gestaltet Templates zurückgegriffen wird – und viele gruselige Selfmade-Seiten verschwunden sind, bei denen viel zu oft sehr gute Inhalte hinter schlechtem, undurchdachten Design verborgen lagen. Einfach weil der Ersteller kein Fachmann für gute Usability durch gutes Design ist und er darauf auch garnicht sein Hauptaugenmerk legt. Genauso gilt das oft für die ästhetische Qualität. Was völlig in Ordnung ist – wenn er dafür hervorragende Inhalte liefert! Insofern: Templates eine tolle Sache.

Das Ganze hat nur einen großen Haken.

Durch diese Templates, die oft einen sehr einheitlichen Stil haben (Verläufe, abgerundete Ecken, Buttons mit Glanz, bestimmtes Farbspektrum, …) hat sich sehr schnell ein Trend entwickelt, der oft auch direkt mit dem Begriff „Web-2.0“ einhergeht, weil er das Aufkommen der anderen (inhaltlichen und technischen) Entwicklungen, die dieser Begriff umfasst, begleitet hat.

Dieser Trend wird mittlerweile oft mißverstanden.
– Wenn man modern & zeitgemäß wirken will, muss auch bei kommerziellen Seiten „dieser Web-2.0-Look“ her. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ob er passt oder nicht. Es gibt Kunden, die das verlangen ohne weiter darüber nachzudenken. Und tragischerweise auch genug Agenturen, die ihre Mitarbeiter mittlerweile dazu anhalten diesen Style zu verfolgen. Ebenfalls blind. Ohne zur reflektieren ob es nicht eine passendere, individuellere Lösung gäbe.

Warum muss die Website eines Fleischwarenherstellers plötzlich mit Verläufen, Glaseffekten und optischen Web-2.0-like-Features versehen werden? Warum sieht plötzlich eine Firmenwebsite, die ganz andere Funktionen erfüllt, exakt wie ein Blog aus?

Typische Template-Optik wird durch Designer oft in mühevoller Kleinarbeit imitiert. Entweder werden komplette Blog-Layouts entwickelt, wie man sie genauso in unzähligen vorgefertigten WordPress-Vorlagen finden könnte – oder man verpasst einem Design noch den „letzten Schliff“ durch Elemente, die solchen Templates entlehnt sind. Verläufe und Spiegelungen, was das Zeug hält.

Früher hätte man soetwas schnell für unkreativ gehalten. Mittlerweile muss man sich als Designer schon nach allen Seiten wehren, wenn man eine individuellere Optik gestalten will. – Was sehr unverständlich ist. Ein Design wird doch nicht automatisch modern & gut, wenn Verläufe und Glasoptik enthalten sind.

Solche Elemente können passen. Dann kann man sie ruhigen Gewissens einsetzen. – Aber oft genug muss man sich die Frage stellen „Warum?!“. – Diese ganzen Effekte um ihrer selbst willen sind eindeutig zu wenig. Ich denke, gutes Design sollte immer inhaltlich Hand und Fuß haben. Funktional sowieso. Verläufe, Spiegelungen, abgerundete Ecken, Boxen sind nicht immer das richtige gestalterische Mittel und sollten eigentlich in gezielten Dosen eingesetzt werden. Leider überziehen sie oft blindlings komplette Webauftritte. Ohne Sinn & Verstand.

Daher an dieser Stelle: Plädoyer für Maßarbeit, wo Maßarbeit machbar ist!
Und machbar sollte das eigentlich immer dann sein, wenn professionelle Designer im Spiel sind – und es nicht darum geht einem Nicht-Designer schnell ein vorgefertigtes Design zur Verfügung zu stellen.

Kommentare 3

  1. Alexander Basler 3. Dezember 2007

    Hi Andreas,

    Gegenfrage: Wieso sollte die Firmenseite des Fleischwarenherstellers NICHT mit Verläufen, Glaseffekten etc. versehen werden? Nur, weil sie dann einem Blog ähnelt. Ich selber bin keiner „Blogger“, weiß also nicht, wie so ein Blog normalerweise aussieht. Ich gestehe, da besteht Nachhholbedarf. Aber vielen Internet-Surfern geht es vielleicht so wie mir, und ihnen ist es egal, wie was irgendwie ähnelt, wenn man nicht den Vergleich hat. Dazu kann, muß man aber nicht Profi sein. In der Reisebranche ähneln sich auch viele Produkte, nur daß der Kunde (und oftmals ja auch Laie) auch nicht die Möglichkeit (und Wissen) hat, um ein Produkt zu vergleichen. Er findet die Reise einfach gut oder schlecht. Ich finde die Seite des Fleischwarenherstellers auf den ersten Blick gut, zumindest optisch gesehen. Es gibt noch immer so viele schlechte Seiten im Netz, die oftmals auch noch ausgezeichnet werden, vieles ist 08/15. Das hat nichts mit der optischen Web-02 Konformität zutun. Ich finde, solange sich die Seite (egal wie) optisch von anderen abgrenzt, funtional ist, auf die Zielgruppe zugeschnitten und vor allem nicht mit unnötigem Schnick-Schnack überladen ist (an dem sich die Profis ja auch gerne profilieren..ja ja!!.) solange ist es – meiner Meinung nach – völlig schnurz, wie sie entstanden ist. Ob mit oder ohne Template, ob oder nicht (optisch) Web-02 konform.

    Herzliche Grüße
    Alex

  2. andreas 4. Dezember 2007

    Hi Alex,

    die Seite des Fleischwarenherstellers war eher ein Beispiel für die gedankenlose Übernahme typischer Elemente, die man gerade für „In“ hält. Meiner Meinung nach hat die Spiegelung (abgesehen davon, dass sie schlecht gemacht ist, da sich der Inhalt der Seite nicht spiegeln kann und nur die Spiegelung des Rahmens zu sehen ist) überhaupt keine inhaltliche Berechtigung. Das Element ist einfach da, „weil man’s halt gerade überall so macht“ und nicht, weil es irgendeinen Sinn hätte. Was ich persönlich für keinen so guten Design-Ansatz halte. – Zum Glück Spiegeln sich wenigstens nicht die Rohwürste bei den Produktabbildungen. ;)
    Was bei der Seite zum Beispiel viel entscheidender gewesen wäre, ist mehr Lust auf die Wurstwaren zu machen. – Bessere, appetlicher angerichtete Produktabbildungen, weniger „kalte“ Gestaltung hätte der Seite besser getan, als der Spiegeleffekt (der die kalte, technische Anmutung übrigens noch verstärkt).

    An Firmenseiten, die wie ein Blog aussehen – und noch wesentlicher: Wie ein Blog aufgebaut sind (Große Spalte für „Beiträge“, rechts Spalten für Navigation, wo es beim Blog üblicherweise eine zeitliche/thematische Übersicht gibt, etc.) stört, dass es ganz oft nicht der optimale Aufbau dafür ist. – Der ist gut & bewährt, wenn es wirklich um einen Blog – also eine Art Tagebuch, o. ä. mit fortlaufenden Beiträgen geht, User Kommentare abgeben sollen, etc. Auf einer Firmenwebsite sind aber oft ganz andere Inhalte ausschlaggebend, die auch ganz anders angeordnet und aufbereitet werden müssen. Hier ist zum Beispiel oft entscheidend, dass der User schnell zum gewünschten Produkt Infos erhält, passende Querverweise da sind, etc., etc. – Also alles Dinge, die mit einem Blog-Aufbau nicht unbeding am besten zu realisieren sind. – Eben weil der dafür garnicht gedacht war.

    Mein Beitrag richtet sich ja auch nicht gegen Blog-Design oder die Spiegel-Verlauf-Sonstwas-Elemente generell – sondern gegen deren blinden Einsatz. Und den bekomme ich leider auch in Agenturen viel zu oft mit. – Es wird nicht gemacht, weil es die beste Lösung ist, sondern weil „man es jetzt eben so macht“.

  3. Olga 4. Dezember 2007

    Hallo Alex,

    deine Argumentation hat eínen Haken – Templates sind nicht auf Zielgruppen zugeschnitten.

    Ein Template ist zunächst immer nur eine allgemeine Basis. Erst mit einer Zielgruppenanalyse und einem durchdachten Konzept kann ein Kreativer aus einem Template eine Webseite gestalten.

    Zudem bin ich der Meinung, dass es zwischen Internetauftritten und einem Blog sehr wohl einen Unterschied gibt. Beides sind zwei eigenständige Bereiche im Web. Und durch die Gestaltung sollte auf dem ersten Blick erkennbar sein, um welchen Bereich es sich handelt. Es sollte nicht so sein, dass der professionelle Webauftritt eines Fleischwarenherstellers wie der privates Block eines Fleischers aussieht – und umgekehrt.

    Viele Grüße! Olga

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