Usability Kongress, Frankfurt

Usability Kongress 2009

Ich bin gerade zurück vom Usability Kongress Frankfurt (eigentlich in Neu-Isenburg Gravenbruch).

Fazit: Eine Veranstaltung mit interessanten, gut gemischten Themen und teils sehr informativen Vorträgen rund um Usabilty/User-Experience. Leider konnte ich nur heute dort sein und habe den ersten Teil der Konferenz verpasst.

Etwas schwierig war der Start des heutigen Konferenztages. Der polemische Initialvortrag zum Thema Usabilty & Social-Media von Frank Puscher hat zunächst den Eindruck hinterlassen eventuell auf einer Veranstaltung für Gatekeeper, die auf Biegen und Brechen an alten Modellen und der verzweifelten Sicherung des Status-Quo im Netz festhalten – ob sinnvoll oder nicht – gelandet zu sein.

Das konnte durch die Folgenden, teils sehr intelligenten und informativen Vorträge zu den unterschiedlichsten Facetten von Usability zum Glück schnell widerlegt werden.

Nichtsdestotrotz ein paar Worte zum Social-Media-Vortrag. Viele der Argumente waren einfach zu haarsträubend um unkommentiert zu bleiben. Hauptthesen: Social-Media ist für die meisten Menschen irrelevant. Social-Media produziert haufenweise Irrelevanz und bietet daher – ausser den Nerds – keinen Nutzen. Social-Media-Angebote haben eine miese Usability (Social-Media vs. Usability).
Unerwähnt blieb, dass Social-Media in vielen Bereichen (Facebook, YouTube, Wikipidia, …) schon tief in die Welt von „Normalusern“ Einzug gehalten hat. Die sind sich sicher nicht explizit bewusst, dass sie „Social-Media“ nutzen – was aber auch völlig egal ist und nichts daran ändert, dass die Angebote für sie durchaus persönliche Relevanz haben! Das Argument hat mich vor allem deshalb so massiv gestört, weil einer der Punkte, der an Social-Media begeistert, genau der ist, dass man über Dienste wie flickr, delicious, twitter, … und die Verknüpfung zu Menschen mit ähnlichen Interessen, Geschmack, Ideen & Ansichten extrem schnell für sich sehr relevanten Content frei Haus geliefert bekommt, den man über Google & Co. niemals entdecken würde. Sei es tolle, inspirierende Bilder, interessante Links, schöne Produkte oder genau die Informationen zu Themen, die einen selbst unter den Nägeln brennen! Diese Aspekte wurden beim Vortrag wohl vergessen. Nicht nachvollziehbar war auch die Sache mit „Usability vs. Social-Media“. Sowohl bei „klassischen“ Webangeboten, wie auch Social-Media-Sites, gibt es hervorragende und weniger hervorragende Beispiele. Ich kann nicht erkennen, wie Social-Media automatisch zu schlechter Usability führen soll. Scheint eine komische Schlussfolgerung zu sein.

Zurück zu den restlichen Vorträgen.

Besonders informativ und horizonterweiternd fand ich die Sessions zu Usability für spezielle Zielgruppen – hauptsächlich Senioren & Kinder. Der Vortrag von Helma Töpper (slash/work) gab Einblick in ein Thema „Wearables“ (Notrufsysteme, oder Systeme, die Vitalfunktionen überwachen und direkt am Körper getragen werden) das ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Ein Themenfeld, in dem Usability & Design aber einen sehr nutzbringenden Beitrag leisten kann! Etwas, das es sich lohnt weiter zu denken. Auch die Testergebnisse zum Thema Kinder & Webnutzung im Vortrag von Erik Winterberg (SynthiCon AG) waren aufschlussreich. Vieles (wie nutzen Kinder in unterschiedlichen Altersgruppen das Netz) hätte man anders eingeschätzt.

Sehr gut waren auch die Sessions „Usability & Brand Experience“ (Brannen Usable Brands) und „Usability als emotionale Inszenierung“ (Interactive Tools; Redesign mobile.de, immobilienscout24.de, ARD Hauptstadtstudio), die gezeigt haben, dass gute Usability und emotionale und markengerechtes Design zusammengehören um die User-Experience rund zu machen. Oft wird beides ja recht platt als gegenseitiger Feind angesehen. Eine Einstellung, die ich auch nicht teilen kann.

Abgerundet wurde der Tag durch den guten, fundierten Vortrag von Gunnar Ulle (Teamleiter User Experience, neckermann.de) zum Thema Nutzermotive beim Online-Shopping.

Auf jeden Fall eine gute Konferenz – die einige interessante Gedanken losgetreten hat. Ein paar werden hier sicher demnächst noch zu lesen sein.

Kommentar 1

  1. Pingback: interactive tools auf dem Usability Kongress 2009 | Toolbox

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.