Design ist kein Make-Up!

Design ist kein Make-Up!

Design bedeutet nicht Schönschminken. Das sollte eigentlich klar sein. Ist es aber leider nicht.

Design hat in Deutschland eher geringen Stellenwert. Es wird mit unnötigem Luxus, Schnickschnack, etc. assoziert. Nicht mit etwas, dass das Leben bereichert – und im besten Fall einfacher macht.

Das Problem betrifft allerdings leider nicht nur die Allgemeinheit, sondern auch das professionellere Umfeld.

„Design ist optischer Firlefanz. Designer spinnen. Designer legen Wert auf schöne Optik. Und sonst Nichts. Designer gestalten Sachen, die sich nicht umsetzen lassen. Design ist im Grunde nicht so wichtig.“

Was dabei so gut wie immer ausser acht gelassen wird: Gutes Design verfolgt ein Ziel! Es sucht nach der optischen Lösung, die den Zweck eines Produktes oder Projekts am besten erfüllt.

Charles Eames hat das so ausgedrückt:

“Design is a plan for arranging elements in such a way as best to accomplish a particular purpose.”

Bezogen auf Design für Online-Medien – in diesem Fall das Fachgebiet, auf dem ich mich bewege – heißt das, dass der grundlegende Aufbau, die Wahl von Farbigkeit, Schrift, Bildmaterial, die Anordnung & Gruppierung von Elementen, usw., usw. auf das Ziel ausgerichtet ist einen Webauftritt oder eine Online-Applikation einfach & intuitiv bedienbar zu machen und das zurecht- und wohlfühlen dort bestmöglich zu unterstützen!

– Weitere wichtige Aufgabe, die das Design leisten muss: Die passende Darstellung von Marke, Unternehmen und Produkten. Auch hier ist es wichtig mit der optischen Sprache nicht irgendeinen, sondern den richtigen Ton zu treffen!

Gutes Design ist kein Produkt von Zufall, purem Geschmack oder aktueller optischer Trends, sondern das Ergebnis zielgerichteter, maßgeschneiderter Überlegung, Planung – und am Ende der professionellen, sauberen Umsetzung!

Aus dem „Make-Up“-Mißverständnis heraus entstehen schnell Hindernisse, die gute Gestaltung unnötig schwer machen:

Mangelndes Briefing
Man muss die Ziele und Rahmenbedingungen eines Projekts kennen, um punktgenau & professionell gestalten zu können! Wenn Design nur als purer Anstrich aufgefasst wird, fehlt oft das Bewusstsein, dass überhaupt Hintergrundinformationen benötigt werden.

Dazu ein weiteres, sehr treffendes Zitat von Herrn Eames:

“Recognizing the need is the primary condition for design.”

Bereits vordefiniertes Design
Es wird nicht die Lösung einer Gestaltungsaufgabe vom Designer verlangt – was sein Job ist – sondern Ausmalen einer Vorlage.
Statt dem Verantwortlichen möglichst genau Aufgabe und Problemstellung zu erläutern, wird bereits eine – oft nur vermeintliche – Lösung vorweggenommen.

Designer dürfen nicht als verlängerte Photoshop-Hand mißbraucht werden: Kunde & Agentur können weitaus mehr von ihm bekommen! Und sollten es auch einfordern!

Technik als Showstopper
An der Schnittstelle von Design und Technik steht schnell das „unnötiger Schnickschnack“-Argument im Raum. Es fehlt manchmal der Blick, dass man als Designer ebenfalls einen Job zu erledigen hat und nichts lediglich auf Geschmack und ein bißchen unverständlicher Kunst basiert und Dinge daher nicht einfach mit einem undifferenzierten „geht nicht“ ersatzlos gestrichen werden können!

Programmierung darf nicht zum Stopper für Ideen & Maßnahmen werden, die zwar aus rein technischer Sicht „nicht unbedingt notwendig sind“, vielleicht sogar etwas mehr Aufwand erfordern – aber aus dem Blickwinkel besserer Usability, Erzielung einer bestimmten Wirkung & Aussage, usw. aber wichtig für das Projekt sind!

Während für die Programmierung Dinge wie Standardkonformität, sauberer Code, Performance und möglichst einfache Umsetzung im Vordergrund stehen, ist es beim Design das Bestreben die beste optische & ästhetische Lösung für die gestellte Aufgabe zu finden. – Dies kann auch die sein, die dem Programmierer nicht gefällt. Muss sie auch nicht. Genausowenig, wie dem Designer die Syntax des Codes gefallen muss. Dafür ist jeder Experte auf seinem Gebiet. Und auf Beiden Seiten braucht es Vertrauen in die jeweiligen Fähigkeiten.

Gute Designer kennen technischen Rahmenbedingungen und beachten sie. – Das heißt aber auch, dass sie einschätzen können, wo dieser Rahmen, falls es wirklich erforderlich ist, noch Spielraum hat.

Bei tatsächlichen Konflikten muss gemeinsam an einem Weg gearbeitet werden, der gestellte Anforderungen an beide Bereiche – Programmierung und Design – erfüllt. Statt fauler Komprommisse: Lösungen, die dem Ziel eines Projektes nicht schaden.

Keine Disziplin darf dabei „per Definition“ über der Anderen stehen. Design ist genauso essentiell wie Technik. Es sollte der Normalfall sein, dass sich beide Bereiche ergänzen und zu einem Projekt aus einem Guss verschmelzen!

Argument „Kosten“ – Der Wert von Design
Es darf nicht passieren, dass Technik & Kosten die einzigen Argumente sind, die in die Wagschale geworfen werden und denen das Design automatisch zum Opfer fallen muss. – Die Folge werden schlechte Projekte sein! Die beste Programmierung und der beste Kostenrahmen helfen nichts, wenn die Schnittstelle zum User – die gestaltete Oberfläche vernachlässigt wird oder dort falsche Kompromisse eingegangen werden.

Design ist kein Make-Up. Design hat einen Wert und es ist sträflich den zu vernachlässigen!

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